Technische Hilfeleistung
Technische Hilfeleistung bedeutet das Retten von Personen aus eingeklemmten oder gefährlichen Lagen – vor allem nach Verkehrsunfällen auf Straßen oder Schienen. Ziel ist es, die verunfallte Person so schonend und schnell wie möglich zu befreien, damit die Rettung lebensrettende Maßnahmen einleiten kann. Jede Minute zählt.
Hydraulischer Rettungssatz
Die zentrale Komponente der technischen Hilfeleistung ist der hydraulische Rettungssatz. Er besteht aus einer Kombination hydraulischer Geräte und Zubehörteile, die von einem Ölkompressor mit bis zu 700 bar Druck angetrieben werden. Kompressor und Arbeitsgeräte sind separate Einheiten, verbunden durch Hydraulikschläuche auf Haspeln – sofort einsatzbereit.
Der Rettungssatz arbeitet mit einem doppelt wirkenden Hydraulikzylinder – die Geräte lassen sich damit sowohl zum Drücken als auch zum Ziehen einsetzen. Die Steuerung am Griff ermöglicht eine präzise Bedienung und verhindert unbeabsichtigtes Öffnen oder Schließen – wichtig bei der patientenschonenden Arbeit direkt am Verunfallten.
Moderne Fahrzeuge mit hochfestem Stahl, zusätzlichen Airbags und komplexen Karosseriebauweisen stellen immer höhere Anforderungen an die Geräte und die Ausbildung der Einsatzkräfte. Die Feuerwehr Wolfurt trainiert diese Einsätze regelmäßig.
Vorteile hydraulischer Rettungsgeräte
Präzise & erschütterungsfrei
Hydraulik arbeitet ohne Erschütterungen und Vibrationen. Die Belastung für verletzte Personen wird minimiert – entscheidend bei Wirbelsäulen- oder Schädel-Hirn-Verletzungen.
Funkenfrei
Beim Einsatz entstehen keine Funken – ein wesentlicher Sicherheitsvorteil bei ausgelaufenem Kraftstoff oder Gasaustritt nach einem Unfall.
Nahezu lautlos
Der leise Betrieb reduziert den psychischen Stress für die verletzte Person erheblich. Außerdem kann die Kommunikation zwischen Einsatzkräften und Patient während der Rettung aufrechterhalten werden.
Die drei Kerngeräte
Rettungsschere
Dient zum Durchtrennen von Materialien – etwa das Abtrennen eines Autodaches oder von A- und B-Säulen. Moderne Fahrzeuge mit hochfestem Stahl erfordern Schneidkräfte von über 1,25 MN.
Vorsicht bei Airbags: Pyrotechnische Gasgeneratoren können beim Durchtrennen auslösen und stellen eine ernste Gefahr für die Einsatzkräfte dar – umfangreiche Ausbildung ist erforderlich.
Rettungsspreizer
Öffnet verklemmte oder deformierte Fahrzeugtüren und drückt Wrackteile weg. Spezielle Backen aus gehärtetem Stahl erreichen auch kleinste Spalten und können Blechteile schälen.
Mit einem Kettensatz kann der Spreizer auch zum Ziehen eingesetzt werden – heute meist durch Rettungszylinder ersetzt, die präziser arbeiten.
Rettungszylinder
Auch Hydrozylinder genannt – drückt Fahrzeugteile mit bis zu 270 kN weg. Typischer Einsatz: zwischen A- und B-Säule einsetzen und den Vorderteil eines Fahrzeugs wegdrücken.
Teleskopausführungen ermöglichen Öffnungsweiten bis 1.640 mm bei kompakter Bauweise – ideal wenn der Spreizer nicht weit genug reicht.
Einsatz und Ausbildung
Der Umgang mit hydraulischem Rettungsgerät erfordert regelmäßiges Training unter realistischen Bedingungen. Die Feuerwehr Wolfurt führt laufend Übungen durch, bei denen das Zusammenspiel von Gerät, Trupp und Rettungskräften geübt wird – mit dem Ziel, die Zeit bis zur Befreiung der eingeklemmten Person so kurz wie möglich zu halten.
Besonders herausfordernd sind moderne Fahrzeugkonstruktionen mit hochfestem Stahl und Ultra-High-Strength-Steel (UHSS), die enormen Widerstand leisten. Einsatzkräfte müssen die Fahrzeugstruktur kennen, um gezielt vorzugehen – falsche Schnitte können die Konstruktion destabilisieren.
Stützpunktbereich
Wolfurt · Bildstein · Buch · Schwarzach · Teile von Kennelbach – die Feuerwehr Wolfurt ist für technische Hilfeleistungs-Einsätze in diesem Gebiet der primäre Stützpunkt.
Im November 2024 fand eine umfangreiche Fortgeschrittenen-Ausbildung zum Thema Arbeiten mit hydraulischem Rettungsgerät statt. Dabei wurden sowohl Grundtechniken vertieft als auch neue Herausforderungen durch moderne Fahrzeugkonstruktionen trainiert.
